Erlebnis Mexico

19.51 Uhr, alle Passagiere bereiten sich auf die Landung vor, Deutschland hinter uns und nichts als die Weite Mexiko Stadts vor uns, und dann ertönen aus den Lautsprechern die entscheidenden Worte: "Wir befinden uns nun über Mexiko-City und landen in Kürze." Die Worte gehört, aber kaum wahrgenommen, zu sehr war ich mit meinen Gedanken schon längst gelandet, obwohl wir uns noch so weit über Mexiko Stadt befanden. Wie würde es sein, so lange getrennt von meiner Familie und meinen Freunden in dieser Stadt und fremden Kultur zu leben, meinen Alltag mit neuen Leuten zu gestalten und die spanische Sprache zu sprechen? Wie würde es sein, nicht nur Tourist zu sein sondern ein mexikanisches Leben zu führen? Wie würden sie mich begrüßen, eine herzliche Umarmung oder doch nur ein befremdeter Handschlag? Eine Umarmung, wie ich feststellte, nachdem ich Mario und Marlis freundlich lächelnd erkannte. Erleichterung und Freude kamen auf , mehr noch war ich beeindruckt von dieser freundlichen, offenen Art, mit der mir die Beiden ein Gefühl des Willkommen-seins vermittelten. Ich war am Ziel, Mexiko Stadt, mein neues Zuhause für sechs Monate, in einem Land, wie es unterschiedlicher zu Deutschland nicht sein könnte, und zugleich am Start, eines aufregenden Teiles meines Lebens. 

Ich musste mich noch etwas gedulden, bis ich auch den Rest der Familie, das heißt meinen Gastvater Alberto und Marios Zwillingsbruder, Beto, die wie ich 17 Jahre waren, kennen lernen durfte, aber auch bei ihnen wurde ich in meinen Erwartungen nicht enttäuscht. Obwohl ich sie gerade das erste Mal getroffen hatte, fühlte ich mich wohl und der Gedanke, dass das erste Gefühl nie täuscht, bestätigte sich und so sollte es sich auch nicht in den kommenden Monaten ändern. In den darauf folgenden Tagen lernte ich weitere Verwandte und Freunde der Familie kennen, und auch wenn ich mit dem mexikanischen Spanisch noch etwas Schwierigkeiten hatte, wurde ich liebenswert wie ein "Familienmitglied" angesehen. Diese Beziehungen intensivierten sich mehr und mehr im Laufe meiner Zeit in Mexiko. Ein Teil der Familie, wie eine Schwester und nicht nur Gast zu sein zeigte die Offenheit, mit der sie mich empfingen. Auch in der Schule traf ich es nicht anders an. Ich lernte viele Mexikaner, und einige Deutsche kennen, zu welchen sich eine vertra ute, innige Freundschaft entwickelte. 

Ich bin sehr dankbar, dass ich in diese Gastfamilie gekommen bin, denn sie haben mir viele Möglichkeiten gegeben, die Kultur und das Land kennenzulernen, nicht nur innerhalb Mexiko-Stadts mit der Besichtigung vieler Museen, sondern auch außerhalb bei Reisen in die USA, in die Wüste, kleine,geschichtlich bedeutende Orte und an die unvergleichlich schönen Strände Mexikos. 
Wie schon erwähnt, unterscheidet sich Mexiko in vielen Aspekten von Deutschland. Dabei ist vor allem die Freundlichkeit, Offenheit und Euphorie der Menschen bedeutend, die einzigartige Kultur der Mexikaner, sowie das mexikanische Essen, welches vorallem durch scharfe Soßen bekannt ist, und mir seit meiner Rückkehr nach Deutschland sehr fehlt.  Leider ist bei dem Vergleich der beiden Länder auch die vielverbreitete Armut und damit verbundene Kriminalität, die in Mexiko ein drastisches Problem darstellt und welche ich natürlich bemerkt habe, in Betracht zu ziehen.  Auf die Frage, ob dies ein Grund wäre, sich gegen ein Auslandsjahr in Mexiko zu entscheiden , würde ich in meinem Fall mit einem klaren "Nein" antworten, denn meiner Meinung nach ist es nur eine Frage der Einstellung. Wenn man sich den Gefahren entsprechend verhält, dürfte es kein Problem darstellen. All meine  Erfahrungen lassen sich kaum in Worte fassen, daher kann ich nur sagen, dass ich jedem das Auslandsjahr in Mexiko empfehlen würde und ich bin sehr dankbar, dass ich das Glück hatte, diesen Aufenthalt machen zu können. 

Wenn ich nun, einige Monate nach meiner Rückkehr, auf diese Zeit zurückblicke sehe ich es nicht nur als eine Erfahrung die mich verändert und geprägt hat, sondern sehe es als eines der besten Erlebnisse die ich in meinem Leben hatte und bin mir sicher, dass es nicht meine letzte Reise nach Mittelamerika war. 

(Verfasst von Marleen Choinowski, Dezember 2009)