Zur Bedeutung des Religionsunterrichts in der BRD und am FRG

Obwohl insbesondere in der BRD ein Prozess der Entkonfessionalisierung festzustellen ist und immer wieder Stimmen zu vernehmen sind, die dem Glauben und dem Religionsunterricht kritisch gegenüberstehen, ist zunächst einmal darauf hinzuweisen, dass kein anderes Fach grundgesetzlich so gut verankert ist wie der Religionsunterricht (Art. 7 GG). Die Religionsgemeinschaften haben ein Recht, konfessionellen RU an Schulen anzubieten, Lehrer dafür an Universitäten auszubilden und in Kooperation mit dem Staat einen Unterricht zu erteilen, der dazu beiträgt, Fundamente für den demokratischen Rechtsstaat beizusteuern, die er aus sich selbst heraus alleine gar nicht bereitstellen könnte. Neben diesem Beitrag zur Wertentwicklung der jungen demokratischen Bürger ist aber vor allem zu konstatieren, dass sich der RU bei SchülerInnen einer insgesamt großen Beliebtheit erfreut. Nur weniger als 5% der bundesdeutschen Schüler wählen das Fach ab, um bspw. lieber am Ersatzunterricht (Ethik/Philosophie) teilzunehmen. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass der RU nicht das Ziel verfolgt und auch nicht verfolgen darf, Schüler zu missionieren. Theologisch gesehen wäre dies ohnehin ein Paradoxon, da der Glaube als Akt der Freiheit aus Liebe niemals Zwang, sondern nur eigene Entscheidung sein darf. Von daher überrascht es auch nicht, wenn der RU insgesamt das Ziel verfolgt, SchülerInnen „zu einem verantwortlichen Denken und Handeln im Hinblick auf Religion zu befähigen“ (Der Religionsunterricht in der Schule, 2.5.1).

Insbesondere für das Friedrich-Rückert-Gymnasium, an dem Schüler unterschiedlichster Kulturen und Religionen (auch im RU) zusammen lernen, fühlen sich die Religionslehrer einem Unterricht verpflichtet, der die Standpunkte und kritischen Anfragen der SchülerInnen ernst nimmt, sie ins Gespräch mit der jüdisch-christlichen und katholischen sowie evangelischen Tradition bringt und zu einem eigenen Denken, Handeln und Urteilen in Bezug auf Religion und Glaube anleitet. Damit tragen wir am FRG zu einem verantwortungsvollen Miteinander der Kulturen und Religionen bei, bei dem der eigene konfessionelle Standpunkt jedoch nicht überflüssig wird, sondern in einen toleranten Dialog münden soll. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir vor allem an der Wahrnehmungs-, Begriffs-, Dialog-, Deutungs-, Partizipations- und Ausdruckskompetenz der Schülerinnen.