UML Diagramm

Objektorientierte Analyse und Modellierung als Basis des Unterrichts

Kinder sind schon in sehr jungem Alter in der Lage, ihre Umwelt in Klassen einzuteilen: („Papa - ein Wau-Wau!!“). Sie können auch zwischen der Klasse der Hunde (Wau-Waus) und dem konkreten Objekt, nämlich dem Hund Fiffi unterscheiden.

Das menschliche Denken ist geradezu dadurch gekennzeichnet, dass wir von konkreten Gegenständen (den Objekten) abstrahieren und in Begriffen bzw. Kategorien - die InformatikerInnen sagen in Objektklassen - denken.

Kein Wunder also, dass eine auf Objekten (Fifi und Hasso), Objektklassen (Wau-Wau's), Objektbeziehungen (WauWau's beißen gerne Briefträger) und Klassenbeziehungen (Pudel und Spitze sind Hunde) aufbauende Denkweise eines der wesentlichen Paradigmen informatischer Analyse und Modellierung von Problemstellungen geworden ist. Andererseits trägt eine objektorientierte Analyse wesentlich dazu bei, vorhandene Softwaresysteme zu verstehen.

Sie bietet den Schülerinnen und Schülern einen an ihrem alltäglichen Denken ausgerichteten einheitlichen Zugang zu unterschiedlichen Softwaresystemen, erleichtert das Verständnis des Aufbaus der jeweiligen Software und der Struktur der von ihr verarbeiteten Dokumente. Daher stellt die objektorientierte Analyse und die objektorientierte Modellierung den wesentlichen Leitfaden informatischer Bildung am FRG dar. Der Gefahr, dass informatische Grundbildung zu einer Art Produktschulung verkommt, wird mit einem objektorientierten Ansatz gut begegnet.

Quelle: HAG Lengerich

Der Umgang mit den modernen Informations- und Kommunikationstechniken hat sich zu einer Kulturtechnik entwickelt, die unerlässlicher Bestandteil von Allgemeinbildung ist. Zu dieser Kulturtechnik gehören nicht nur Bedienerfertigkeiten für Standardanwendungen, sondern Schülerinnen und Schüler müssen eine fachliche Orientierung zu Einordnung medialer und informatischer Prozesse in ihrem persönlichen Umfeld erlangen und zum anderen anschlussfähiges Wissen für eine vertiefende informatische Bildung erwerben. Dies setzt in Teilbereichen auch ein grundlegendes Verständnis informatischer Prinzipien und der Wirkungsweise von Informatiksystemen voraus. 

Auch wenn aufgrund des geringen Stundenumfangs viele informatische Inhalte momentan noch auf andere Fächer und der Oberstufeninformatik  vorbehalten bleiben müssen, sollen doch alle Inhalts- und Prozessbereich altersgerecht tangiert werden (siehe Abb. rechts) . 

Zudem sollen die vermittelten Kenntnisse und Fähigkeiten für die Arbeit in möglichst vielen anderen Fächern anwendbar sein. Keinesfalls darf sich MTG auf die Vermittlung von Kenntnissen über die Bedienung konkreter Produkte beschränken: Die prinzipiellen Möglichkeiten und Arbeitsweisen von Standardanwendungen sollten immer im Vordergrund stehen. Wenn z.B. der Umgang mit einem Browser oder Suchmaschinen besprochen und geübt werden, darf eine Reflexion über deren Arbeitsweise und über die Geschichte und Struktur des Internet nicht fehlen.  

Die Möglichkeiten der Standardanwendungen sollten weitestgehend im Problemzusammenhang ergründet werden. Einige Inhalte, wie z.B. Details von Textverarbeitungssystemen, können auch in Form einer systematischen Schulung vermittelt werden. Es wird aber versucht, in allen Anwendungsprogrammen eine altersgerechte objektorientierte Sichtweise (siehe Objektorientierte Analyse und Modellierung) durchgängig zu benutzen, um so den Schülerinnen und Schülern einen konzeptionellen Transfer des Erlernten auf nicht behandelte Softwareprodukte zu erleichtern.

Leitlinie und inhaltliche Schwerpunkte

"Der Einsatz von Computern und Informations- und Kommunikationstechnik ist ein entscheidender Bestandteil unserer gegenwärtigen und künftigen Gesellschaft. Die Vision ist, dass informatisch gebildete Menschen alle informatischen Probleme, die ihnen in ihrem Leben begegnen werden, mit Selbstvertrauen anpacken und selbstständig allein oder im Team bewältigen können. Und die Lehrenden   helfen   den   Lernenden   dabei,  ihre   Kompetenz   zum   Lösen   solcher   Probleme einzusetzen, zu vertiefen und auszubauen. 

Ein Informatikunterricht, der dies leistet, ist ohne Zweifel sehr anspruchsvoll, doch er darf keine Vision bleiben. Denn alle Schülerinnen und Schüler verdienen die beste Bildung, die eine Gesellschaft bieten kann, den besten Unterricht, den Lehrerinnen und Lehrer erbringen können, und die besten Startchancen für ihr künftiges Leben.

(aus Bildungsstandards der Gesellschaft für Informatik)