Philosophie

1. Was ist Philosophie? – Vorstellungen über das Fach Philosophie

Es heißt doch oft: „Meine Philosophie ist …“ – Was den Begriff betrifft, benutzen wir ihn schnell einmal, um vielleicht kurz jemandem zu erklären, was wir für richtig halten. Auch hat jeder eine vage Vorstellung davon, was sich hinter dem so gern benutzten, ‚großen‘ Begriff „Philosophie“ verbirgt. Aber ist das Philosophie? Diese Frage ist eine philosophische.

Denn schon beginnen wir zu hinterfragen und zu zweifeln: daran, ob unsere Vorstellung von „Philosophie“ dem gerecht wird, was „Philosophie“ ist. Dieses Hinterfragen und Zweifeln, das Fragen- stellen und das Wundern überhaupt – das ist Philosophieren. Jeder, der Gegebenes nicht einfach hinnimmt, sondern hinterfragt, denkt bereits philosophisch. Denn die beiden altgriechischen Begriffe philein ‚lieben‘ und sophia ‚Weisheit’ sagen uns: ein Philosoph ist jemand, der Weisheit und Erkenntnis liebt, jemand, der wissen möchte, was der Grund von etwas ist oder wo alles seinen Anfang nahm.

Der Philosoph Immanuel Kant war der Ansicht, dass alle philosophischen Fragen letztendlich vier übergeordneten Fragen zuzuordnen sind:

  • Was kann ich wissen?

  • Was darf ich hoffen?

  • Was soll ich tun?

  • Was ist der Mensch?

 

Im Philosophieunterricht wenden wir uns den großen philosophischen Themen zu, die keineswegs abgehoben sind, sondern das Leben jedes einzelnen betreffen: Ist es das Ziel des Lebens, glücklich zu sein? Gibt es die eine Wahrheit oder ist alles relativ? Was ist Gerechtigkeit? Gibt es einen übergeordneten Sinn des Lebens? Woher kommen wir und wohin gehen wir?

Wenn wir im Philosophieunterricht über Fragen dieser Art sprechen, geht es nicht um bloße Meinungsäußerungen, sondern um logisch aufgebaute Argumentation. Und darin ist die Philosophie ebenso exakt wie die Naturwissenschaft, nur geht es hier nicht um das Messbare, sondern um die logisch schlüssige Erkenntnis. Durch ein solches Denken und durch das Heranziehen vieler Erkenntnisquellen versucht die Philosophie die Grundlagen unseres Bildes von uns selbst und der Welt bewusst zu machen und zu hinterfragen.

Jeder von uns besitzt – bewusst oder unbewusst („Meine Philosophie ist…“) – immer schon ein bestimmtes Bild von sich selbst und der Welt, das die Grundlage aller unser Handlungen und Entscheidungen ist. Im Philosophieunterricht durchdenken wir verschiedene Positionen bedeutender Philosophen. Auf diese Weise wird im Philosophieunterricht geübt, sich kritisch mit sich selbst und der Umwelt auseinanderzusetzen und so zu eigenen Positionen zu gelangen. Diese Fähigkeit ist wichtig, damit der Einzelne nicht zum leicht manipulierbaren Objekt anderer wird.