In memoriam Annemarie Welbers

Am  6.1.2016  ist unsere langjährige Kollegin, Frau Annemarie Welbers, verstorben. Von 1976 bis 2003 unterrichtete Frau Welbers die Fächer katholische Religionslehre und Politik am Friedrich-Rückert-Gymnasium, insgesamt 27 Jahre lang.
Frau Welbers war eine außergewöhnliche Lehrerin, deren klare ethische Standards in ihrem christlichen Glauben wurzelten. Tätige Nächstenliebe war ihr ein Herzensanliegen.

Dies kommt vielleicht am deutlichsten im Peru-Projekt zum Ausdruck, das Frau Welbers
1979 am FRG initiiert hat.
Durch einen Zeitungsbericht aufmerksam geworden, nahm sie Kontakt mit der Sonderschullehrerin Christa Stark auf, die in Cajamarca in Peru eine Sonderschule für behinderte Kinder gegründet hatte, welche bis heute ausschließlich über Spenden finanziert wird.
Dass sich hier jemand mit Tatkraft und Vertrauen auf Unterstützung – ohne auf „die da oben“ zu warten – den Armen und Ausgestoßenen zuwandte – das war für Frau Welbers gelebte christliche Nächstenliebe. In den Augen von Frau Welbers verlangte die Not anderer auch eine Antwort in unserem täglichen Leben hier. Und so begann sie ihre Spendenkampagne am Friedrich-Rückert-Gymnasium: Immer wieder sprach sie Schüler und Lehrer an. Der Beitrag jedes einzelnen war ihr dabei wichtiger als die Menge des gesammelten Geldes. Die mit Spendenlisten dekorierte Rückwand im Religionsraum zeugte lange Jahre von diesem nachhaltigen Engagement.

Gerade in der Durchführung ihrer Sammelaktionen zeigte sich auch, wie beharrlich und fordernd sie sein konnte, wie sie Schüler und Kollegen in die Pflicht nahm für das, was sie als richtig erkannt hatte.
Ihre Durchsetzungs- und Konfliktfähigkeit, ihr starkes Auftreten, ihre unmissverständlichen Ansagen, ihr nachdrückliches Beharren gegenüber Schülern und Kollegen auf Qualität und Engagement in der schulischen Arbeit verunsicherten gelegentlich durchaus den Einen oder Anderen, spornten uns alle aber immer wieder an. Sie nannte das „direktive Seelsorge“. Immer spürbar war ihr Engagement für ihre Schüler und Kollegen, wenn diese Sorgen hatten oder in Nöten waren. Immer machte sie sich Gedanken über die schulische und berufliche Zukunft  „ihrer“ Kinder.  Damit trug sie dazu bei, dass mancher junge Mensch die Schullaufbahn am Friedrich-Rückert-Gymnasium erfolgreich beenden konnte, der dies sonst vielleicht nicht geschafft hätte.

Hat man sie jemals missmutig erlebt? Nein. Immer strahlte sie eine tiefe Zufriedenheit aus, obwohl sie selbst auch in den vergangenen Jahren wachsende gesundheitliche Probleme hatte.
Nie hat sie das Lachen verlernt – auch nicht über sich selbst! Ihr Witz und ihr Humor wirkten ansteckend.   

Ihr Peru-Engagement führen wir aus Überzeugung weiter.
Inzwischen ist der in regelmäßigen Abständen organisierte Perulauf an die Stelle der wöchentlichen Sammlungen getreten. Der bisher letzte fand im April 2015 statt. Über 19.000 Euro wurden „erlaufen“, und Frau Welbers, obschon gesundheitlich angeschlagen, ließ es sich nicht nehmen, persönlich dort zu erscheinen.
Der Geist, in dem Frau Welbers diese große Hilfsaktion ins Leben gerufen hat, begleitet uns hoffentlich noch lange.

Wir haben mit Frau Welbers eine intelligente, liebenswerte und warmherzige ehemalige Lehrerin verloren.